Digitale Lebensader der Gesundheitsversorgung

Kommunikationsberater Thilo Jakob spricht über die Bedeutung der Digitalisierung in der Medizin.

Freiburg als Gesundheitsregion – Vernetzung und Innovation

Redaktion: Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, das diese Vernetzung in unserer Region verdeutlicht?

THILO JAKOB: Freiburg ist dafür besonders anschaulich. Die Stadt vereint exzellente medizinische Infrastruktur mit einer präventionsorientierten Gesundheitskultur. Rund 27 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Freiburg arbeiten im Gesundheitswesen – das macht die Stadt zur heimlichen Gesundheitshauptstadt Deutschlands. Das Universitätsklinikum Freiburg gilt auch in puncto Digitalisierung als Leuchtturm. Getragen wird diese geballte Gesundheitskompetenz aber auch von Menschen, die Medizin weiterdenken – wie Prof. Dr. med. Michael Müller. Als Chefarzt der Klinik für Anästhesie-, Intensiv- und Notfallmedizin im St. Josefskrankenhaus, dem größten Notarztstandort Baden- Württembergs, setzt er sich seit Jahren für ein Thema ein, bei dem jede Sekunde zählt: die Überlebenschancen beim plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand.

Redaktion: Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, das diese Vernetzung in unserer Region verdeutlicht?

THILO JAKOB: Freiburg ist dafür besonders anschaulich. Die Stadt vereint exzellente medizinische Infrastruktur mit einer präventionsorientierten Gesundheitskultur. Rund 27 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Freiburg arbeiten im Gesundheitswesen – das macht die Stadt zur heimlichen Gesundheitshauptstadt Deutschlands. Das Universitätsklinikum Freiburg gilt auch in puncto Digitalisierung als Leuchtturm. Getragen wird diese geballte Gesundheitskompetenz aber auch von Menschen, die Medizin weiterdenken – wie Prof. Dr. med. Michael Müller. Als Chefarzt der Klinik für Anästhesie-, Intensiv- und Notfallmedizin im St. Josefskrankenhaus, dem größten Notarztstandort Baden- Württembergs, setzt er sich seit Jahren für ein Thema ein, bei dem jede Sekunde zählt: die Überlebenschancen beim plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand.

Digitale Vernetzung in der Fläche – das Dreiland-Klinikum Lörrach

Redaktion: Wie sieht es in der Region rund um Freiburg aus?

THILO JAKOB: Auch außerhalb der Stadtregion zeigt sich die Bedeutung digitaler Infrastruktur. Das Dreiland- Klinikum Lörrach setzt Maßstäbe in der modernen, digital unterstützten Versorgung. Ein flächendeckendes WLAN, rund 1.400 Access Points und ein eigenes 5G-Netz ermöglichen eine stabile Verbindung für Patienten und Mitarbeiter. Gleichzeitig ist die IT-Infrastruktur „cloud-ready“, sodass Daten ortsunabhängig verfügbar sind und sektorenübergreifend genutzt werden können. Die digitale Infrastruktur des Dreiland-Klinikums begleitet Patienten vom ersten Kontakt über stationäre Behandlungen bis zur Nachsorge. Patientenportale erlauben Online- Terminvereinbarungen, digitale Zweitmeinungen und die Nachverfolgung des Behandlungsverlaufs. Telemedizinische Konsultationen reduzieren lange Wege und beschleunigen Entscheidungen. Hochspezialisierte Expertise kann über digitale Netzwerke in die regionale Versorgung eingebunden werden. Das Ärzteteam vor Ort greift auf Spezialwissen zu, bespricht Fälle digital oder wertet Diagnostik gemeinsam aus. So wird Spitzenmedizin auch außerhalb großer Stadtgebiete wohnortnah verfügbar – eine entscheidende Voraussetzung für gleichwertige Lebensverhältnisse in einer Demokratie.

Redaktion: Herr Jakob, warum ist schnelles Internet für die Medizin heute so entscheidend?

THILO JAKOB: In der heutigen Wissensgesellschaft entsteht Wertschöpfung nicht allein durch das Vorhandensein von Wissen, sondern durch seine Vernetzung. Gerade medizinisches Wissen wächst exponentiell: Studien, Laborwerte, Bilddaten und Erfahrungswissen entstehen täglich in großer Menge. Kein Arzt, keine Pflegekraft und keine Einrichtung kann dieses Wissen allein vollständig nutzen. Erst wenn diese Informationen systematisch zusammengeführt werden – zwischen Kliniken, Praxen, Pflege, Forschung und Patienten – entstehen wertschöpfende Ideen und Innovationen. Ohne leistungsfähige Netze bleibt Wissen lokal begrenzt und kann nicht in Echtzeit genutzt werden. Leistungsstarke digitale Infrastrukturen dagegen ermöglichen es, medizinisches Wissen ortsunabhängig, schnell und effizient zu teilen und anzuwenden.

Redaktion: Und für die Mitarbeiter?

THILO JAKOB: Mitarbeiter erleben eine effizientere, entlastende Arbeitsumgebung. Tablets am Patientenbett für die digitale Visite und ortsunabhängiger Zugriff auf alle relevanten Daten reduzieren Laufwege und Bürokratie. Diagnosen und Therapien können schneller abgestimmt werden. Diese Infrastruktur schafft Flexibilität und ist ein klarer Standortvorteil für Fachkräfte, die moderne, digital unterstützte Arbeitswelten erwarten.

Redaktion: Wenn Sie es auf eine zentrale Botschaft zuspitzen: Welche Rolle spielt schnelles Internet in der Medizin?

THILO JAKOB: Schnelles Internet ist die Lebensader der modernen Medizin. Es ermöglicht, Wissen zu vernetzen, digitale Anwendungen einzusetzen und wohnortnahe Spitzenmedizin zu realisieren. Ohne diese Infrastruktur kann die Medizin der Zukunft ihr Potenzial nicht entfalten. Wer in digitale Netze investiert, sichert bessere Diagnosen, präzisere Therapien, effizientere Prozesse und letztlich die Lebensqualität der Menschen – für Patienten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die gesamte Gesellschaft.

Von der Verarbeitung zur Vernetzung von Informationen

Redaktion: Sie haben Ihr Berufsleben in der IT-Branche der 80er-Jahre begonnen. Wie hat sich die Bedeutung der IT für die Gesundheitswirtschaft verändert?

THILO JAKOB: Zu Beginn des IT-Zeitalters lag der Wertschöpfungshebel vor allem in der effizienten Verarbeitung von Informationen. Heute steht die Vernetzung von Informationen im Zentrum. Die Qualität der medizinischen Versorgung hängt heute entscheidend davon ab, wie gut Wissen vernetzt und digital nutzbar gemacht wird. Oft unterschätzt wird, dass in der Wissensgesellschaft die Qualität der Vernetzung auch in der direkten Zusammenarbeit von Menschen den zentralen Erfolgsfaktor darstellt

ÜBER THILO JAKOB

Mit seinem vor 20 Jahren gegründeten Unternehmen „Thilo Jakob | HEALTH CARE TO MARKET“ in Bad Krozingen begleitet Thilo Jakob Krankenhäuser bei der Entwicklung und Umsetzung systematischer Kommunikationskonzepte. Vor seiner Tätigkeit in der Gesundheitswirtschaft war er langjährig in Führungspositionen bei Marktführern der Investitionsgüterbranche und Konsumgüterbranche tätig.